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Reisen > Iran
In der westlichen Welt steht der Iran nicht selten für ein terroristisches Regime, ja einen "Schurkenstaat", der zur "Achse des Bösen" zählt, wie es ein amerikanischer Präsident nannte. Nicht selten reagierten Leute mit Besorgnis, als ich von meiner geplanten Iranreise berichtete. Man möge uns nicht einsperren, die Hand abhacken oder gar steinigen, wünschte man uns.
Umso überraschter waren wir bei der Ankunft in Teheran, dass wir nichts davon merkten. Im Gegenteil: Die Menschen waren überaus freundlich, von islamischen Extremismus war nichts zu spüren. Vielmehr begegnete uns Toleranz, Freundlichkeit und Offenheit auf Schritt und Tritt. Ausländer sind in diesem Land besonders beliebt, die Schweiz ist bei den Iranern gut angeschrieben.
Frauen müssen (oder wollen es oft selber) ein Kopftuch tragen. Rasch wird dem Besucher klar, dass es diesbetreffend grosse Unterschiede gibt. Konservative ältere Frauen tragen den schwarzen Tschador eng ums Gesicht gebunden, so dass keine Haare sichtbar sind. Junge Frauen zeigen jedoch gerne ihre blondierten Haarstränen, sind stark geschminkt und die Kopfbeckung erinnert eher an ein farbenfrohes modisches Accessoire. Junge Männer benutzen viel Gelee für ihre Haare und tragen enge, modische T-Shirts. Sie wollen Mädchen kennenlernen und Alkohol trinken, auch wenn letzeres in diesem Land verboten ist. Zu Hause ist so vieles anders als auf der Strasse, sagt man uns. Auch sie schreiben sich gegenseitig SMS und hören Hip-Hop. Die Unterschiede sind also kleiner als erwartet.
Zugegeben, Organisation ist nicht die grosse Stärke der Iraner. Man muss für viel Geduld und Zeit mitbringen, wenn man hier reisen möchte. So warteten wir nach Ankunft 24 Stunden auf unser Gepack, das wir dann doch selber am Flughafen abholen mussten. Als wir eines Morgens um 5 am Flughafen standen, um nach Teheran zurückzufliegen, mussten wir feststellen, dass der Flug kurzerhand gestrichen war. Für einen Ersatzflug oder die Rückerstattung des Tickets war niemand vor Ort. So blieb nur eine 16 stündige Busfahrt als Alternative.
In der riesigen Hauptstadt Teheran gibt es nicht allzu viele touristische Sehenswürdigkeiten. Verkehrsregeln im täglichen Verkehrschaos scheinen kaum zu existieren und wenn dann kümmert das niemanden. Das Queren einer Strasse ist ein regelrechter Spiessrutenlauf. Trotzdem gibt es zwischen den Verkehrsteilnehmern überhaupt keine Aggression. Auch hier die selbe Toleranz und Freundlichkeit wie sonst im Land.
Lohnenswert waren vor allem die Städte Yazd, Shiraz (mit der nahegelegenen Ruinenstadt Persepolis) und vor allem Isfahan. Herrliche Moscheen und Palastanlagen sowie grüne Stadtparks voller Blumenpracht locken eine wachsende Anzahl ausländischer Touristen an diese Orte. In den überdachten Bazars findet man alle erdenklichen Güter, von Tuchwaren über Teppiche bis Früchte und Porzellan. Die Händler sind wesentlich weniger aufdringlich als erwartet.
Zwischen den Städten sind auf grosse Distanzen wenig mehr als staubige Steinlandschaften und Ebenen zu finden. Hier macht das Wort "Wüste" tatsächlich Sinn. Nur der Norden des Landes, jenseits des Elbrus ist grüner und fruchtbarer. Wer Badeferien machen möchte, ist in diesem Land bestimmt nicht an der richtigen Adresse. Aber wer offen ist für Begegnungen mit einer offenen und toleranten muslimischen Welt, wer gerne orientalische Baukunst vom Altertum bis zur Moderne sieht, dem sei das Land sehr ans Herz gelegt.



