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Reisebericht Velotour China
Teil 1: Von Peking durch das Lössgebirge nach Lanzhou
Start in Peking
Die Vorbereitungen für eine 100tägige Reise waren umfangreich. Endlich, am 5. Juli 02 flogen wir mit der Swiss direkt nach Peking. Die Einreise nach China verlief erstaunlich reibungsfrei und auch die Velos waren unbeschädigt.
Die Chinesen machten uns einen positiven ersten Eindruck. Die Strecke in die Stadt war zwar verkehrsreich, dafür gibt es aber in Peking breite Velostreifen, weshalb das Velofahren nur an den Kreuzungen etwas gefährlich ist. Erstaunt stellten wir fest, dass Peking fast nur noch aus modernen Hochhäusern besteht. Eine Altstadt ist praktisch nicht mehr zu finden. Viele Autos, vor allem Taxis drängen sich auf den Strassen.
Im Stadtzentrum wurden wir von verschiedenen englischsprechenden Studenten und Studentinnen angesprochen, die etwas Englisch üben wollten. Ausserdem merkten wir bald, dass sie uns gerne ihre chinesische Malerei verkauft hätten.
Am folgenden Tag besuchten wir die berühmte "verbotene Stadt", den Kaiserpalast. Die Dimensionen der Gebäude und Plätze sind beeindruckend. Erstaunlicherweise sahen wir selbst in Peking fast keine westlichen Touristen. So wurden wir hier oft selber zur Attraktion für Chinesen, die von uns ein Foto machen wollten.
Der Start der eigentlichen Velotour verzögerte sich noch einen Tag, weil wir noch das Visum für Myanmar einholen wollten. Leider war das Warten vergebens, denn die Bürokratie dieses Landes macht die Einreise per Velo praktisch unmöglich. Am Nachmittag besuchten wir noch den Himmelstempel, das wohl schönste Gebäude der Stadt. Danach bereiteten wir uns auf den eigentlichen Start der Velotour morgen früh vor.
Die 37°C vom Vortag wurden glücklicherweise heute nicht mehr ganz erreicht und so war das Velofahren recht angenehm. Auf dem Platz des himmlischen Friedens lichteten wir uns in der Morgensonne noch mit Genosse Mao ab und fuhren dann auf der breiten Paradestrasse nach Westen. Rasch nach dem Ende dieser Strasse wurde uns klar, dass sich die Ruhe und Sauberkeit nur auf Peking beschränkt. Die letzten Häuser der Stadt hatten wir nach 40 Km hinter uns und die gute Asphaltstrasse führte entlang einem Flusslauf durch ein kleines Gebirge. Als wir nach 107 km ein Hotel fanden, waren wir ziemlich erschöpft.
Bei der Abfahrt am anderen Morgen war das Hotelrestaurant noch geschlossen und so mussten wir mit knurrendem Magen eine Stunde den Berg hoch fahren, bis wir etwas zum Essen fanden. Als danach die Strasse immer schlechter wurde, stellten wir mit Hilfe unseres GPS fest, dass wir uns schon zum ersten Mal verfahren hatten. Wir liessen die Velos wieder ins Tal sausen und stellten Fest, dass die richtige Passüberquerung wenige Kilometer danach abbog. Auf dem ersten Pass verliessen wir die Provinz Peking und erreichten damit auch schon das Ende der guten Strasse. Mittlerweile war es so heiss, dass wir bei den Steigungen die T-Shirts ins Wasser tauchten. Das Hotel in einem kleinen Kaff an einem Güterbahnhof war ziemlich trist. Es war vielleicht besser, dass es in der stinkenden Gemeinschaftsdusche nicht zu hell war.
Vor allem jeweils am Morgen war die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass wir vom Schweiss nur so trieften. Die Gegend war bis hierher eher landwirtschaftlich geprägt. Je näher wir an die kleine Stadt Laiyuan kamen, desto mehr stinkende, hupende Lastwagen, beladen mit Kies oder Kohle, vernebelten uns die Sicht. Die Stadt besticht durch ihre Hässlichkeit und das Chaos. Wie wir bald merkten der Normalfall für eine Kleinstadt. Das Hotel war hingegen neu und gut. Lustig für uns war, dass wir beim Essen eigens für das Nachfüllen von Grüntee eine eigene Serviertochter hatten, die es uns unmöglich machte, den Teespiegel um mehr als zwei Zentimeter zu senken.
Obwohl die Strecke danach zwar landschaftlich reizvoll war, störten die kohlebeladenen Lastwagen wirklich sehr. Lastwagen hupen in China fast ununterbrochen und zwar so laut, dass man davon Ohrensausen kriegt. Rücksichtsvolles Fahren ist keine Stärke der Chinesen. Bei einem Polizeiposten wurden wir herbeigewinkt, aber nicht wegen eines Vergehens, sondern weil man uns zum Teetrinken einladen wollte. Danach verliessen wir die Industriegegend und eine nicht enden wollende Steigung überraschte uns. Dafür hatten wir eine herrliche Aussicht auf die terrassierten Lössberge. Am Abend erreichten wir ein mongolisch geprägtes Bauerndorf etwas abseits der Strasse. Touristen waren, wenn überhaupt noch sehr wenige hier. So wurden wir von vielen Schaulustigen umringt. In einem wirklich einfachen Zimmer konnten wir übernachten. Fliessend Wasser gibt es nur im Bach einige hundert Meter von der Ortschaft.
Hässliche Kleinstädte im Nordosten
Anderntags erreichten wir beim Ort Hunyuan die bekannten "Hängenden Klöster" nach einer Passüberquerung. Die hölzernen Tempel und Wohnanlagen sind in eine senkrechte Mauer hineingebaut worden und sind mit Pfählen vor dem Absturz geschützt. Bei der Besichtigung war uns aber in den engen Durchgängen mit den vielen (teilweise schweren) Besuchern nicht ganz wohl. Im nahegelegenen Ort gab es tatsächlich ein Internetcafe. So verfassten wir voller Freude einen ersten Reisebericht, der allerdings von einem Stromausfall hinweggerafft wurde.
Die Morgenessen in China sind etwas gewöhnungsbedürftig. So gibt es oft scharfes, saures Gemüse und eine salzlose Reissuppe. Die nächsten 25 Km waren eine Baustelle und so wurden wir vom Baustellenverkehr regelrecht mit Staub paniert. In Yin Xian befindet sich eine der ältesten Holzpagoden Chinas. Nebenan trafen wir einen freundlichen Englischlehrer, der aber weder viel verstand, noch verständlich sprechen konnte. Er führe uns zu einem Restaurant, wo wir für nur 1.50 Fr. pro Person ein richtiges Festmahl erhielten. Am Nachmittag durchquerten wir eine grosse Ebene, was mit dem Gegenwind fast kein Ende nehmen wollte. Am Abend erreichten wir wieder eine Kleinstadt und quartierten uns in einem etwas schmuddeligen Hotel ein. Das Mädchen an der Rezeption wollte mit uns unbedingt Fotos bei ihrem Vater, einem Fotografen machen. Als dieser unsere Mittelformatkamera (Mamiya) sah, geriet er ganz ausser sich. Sein Traum lag unerreichbar in seinen Händen und er hantierte damit fast gierig.
Auch anderentags kämpften wir auf einer verkehrsreichen, langweiligen Strecke mit Gegenwind. Der Lastwagenverkehr verdichtete sich in der Nähe eines riesigen, rauchenden Kohlekraftwerkes immer mehr und wir selber wurden schwarz wie Kohlearbeiter. Die nahegelegene Stadt Shuo Zhou ist komplett neu gebaut, zwar nicht schön, aber sauber und recht angenehm. Etwas weiter südwestlich ist ein Stück der chinesischen Mauer sichtbar, aber wie an anderen Stellen wo wir sie sahen, in einem miserablen Zustand. In der kleinen Kohlebergbaustadt Ningwu waren die Einwohner so erstaut über uns, dass eine grosse Menge uns bis ins Hotel folgte. Dort begutachteten ungefragt allerlei Leute unseren Pass. Das Wort "Hotel" konnten wir übrigens im chinesische nicht lesen, aber die Rezeption ist meist an den vielen Uhren zu erkennen, die dort aufgehängt sind. Diese sollten die Zeit in verschiedenen Städten der Welt anzeigen, wobei aber typischerweise irgendeine Phantasiezeit angezeigt wird.
Ab dort nahm der Lastwagenverkehr ab und wir durchquerten friedliche Bauerndörfer. Bei leichtem Rückenwind und guter Strasse schien die Destination Jingle leicht erreichbar. Die Strecke wurde aber plötzlich derart holprig, dass sie für ein Velo kaum befahrbar war. Endlich sahen wir zwar die Stadt, mussten aber noch einige Kilometer flussabwärts fahren, um über die Brücke wieder zurück nach Jingle zu gelangen. Dort wollte man uns nicht ins Hotel vorlassen, weil offenbar die Bewilligung für Ausländer fehlte. Eine Englischstudentin half uns eine Bleibe zu finden, die auch die Polizei zufrieden stellte. Es war dies ein neues Zimmer in einem Hotel, das noch im Bau war. So durften am Fleiss der Chinesen teilhaben, welche die ganze Nacht ununterbrochen sägten und hämmerten.
Entlang der Strecke besuchten wir eines der schönen Bauerndörfer. Die Häuser sind höhlenartig in den Löss hineingegraben und wirken im innern recht heimelig. Die Bevölkerung war ausgesprochen freundlich. Für das Mittagessen hielten wir an einem Strassenstand in einer kleinen Stadt. Weit über hundert Menschen umringten uns und versuchten einen Blick auf uns und die Velos zu erhaschen.
Gegen die etwas grössere Stadt Lishi nahm der Verkehr wieder stark zu. Im Ort wurde gerade an diesem Tag ein modernes und schönes Hotel mit allem Luxus eröffnet, wo wir einzogen. Ausnahmsweise nahmen wir die Velos nicht aufs Zimmer. Zur Feier des Tages spendierte man uns ein Mittagessen. Oberhalb der Stadt liegt ein schmucker Tempel, von wo man eine gute Sicht auf den Ort hat. Der Tempelwächer war ein lustiger Greise mit einer Brille so dick wie Flaschenböden, der mit einem Burschen chinesisches Schach spielte.
Am nächsten Morgen regnete es und so diskutierten wir die weitere Streckenwahl. Auf der südlichen Route, die bergiger ist, befürchteten wir mehr Regen, als entlang der Wüste Gobi, was uns aber etwas langweilig schien. Wir entschieden uns für die südliche Variante.
Ungebetener Besuch durch die Polizei
Am Abend erreichten wir die hässliche Stadt Jiakou und wurden wieder von einer Hundertschaft belagert und verfolgt. Am späteren Abend klopfte es an der Türe unseres hässlichen Hotelzimmers. Draussen wurden wir von einem Duzend Leute empfangen. Die Polizei mit Übersetzerinnen erklärte uns, dass wir in einer für Ausländer geschlossenen Stadt seinen. Obwohl wir die Route vom offiziellen chinesischen Amt für Tourismus abgesegnet hatten, half auch ein Anruf beim zuständigen Beamten nichts. Gesetz ist Gesetz. Niemand in China weiss, wo genau geschlossene Städte liegen, noch sind sie durch eine Tafel gekennzeichnet. So wurden wir mit 500 Yuan(=100 Franken) gebüsst, was etwa einem chinesischen Monatseinkommen entspricht. Ausserdem verbot man uns auf der von uns gewählten Route weiterzufahren, was einen Umweg von über 300 km für uns bedeutete. Erstaunt nahm man zur Kenntnis, dass wir wütend darüber waren.
Es war eine schwierige Entscheidung, aber alles wieder zurückfahren, wofür wir einen ganzen Tag brauchten war zu viel. Deshalb beschlossen wir trotz des Verbotes, die Stadt nach Süden zu verlassen und durch die geschlossenen Gebiete zu fahren. Zur Verwirrung der Polizei durchkreuzten wir den Ort in alle Richtungen, bevor wir uns auf die verbotene 50 Km lange Strecke machten. Immer wieder begegneten wir Polizeipatrouillen, aber niemand schien etwas von der Sache zu wissen. Bei jeder Rast duckten wir uns von der Strasse weg, um möglichst unsichtbar zu reisen. Plötzlich hörten wir hinter uns die Sirene. Ein Polizeiauto preschte an uns vorbei, jedoch ohne sich um ums zu kümmern. Bei der nächsten geschlossenen Stadt Xi Xian stoppte uns die Polizei. Aber auch diesen Polizisten fiel nichts besonders an uns auf. So verliessen wir schliesslich gegen Abend unbehelligt das verbotene Gebiet und fuhren weiter durch ein schönes, wenig besiedeltes Flusstal.
Weiterfahrt durch Lössberge
Am Abend gelangten wir zu einer Kreuzung, wo wir in einem einfachen Lokal gutes Essen kriegten. Der Besitzer vermietete uns ein einfaches Zimmer für die Übernachtung. Als wir schon eingeschlafen waren, schaltete er die Neonröhre in unserem Zimmer ein und kam ohne anzuklopfen hinein. Verschlafen folgte ich ihm ins Wohnzimmer, wo eine junge Frau ins Englische übersetzte. Der Herr möchte mit mir Ziegen und Schafe handeln, erklärte sie mir. Als ich ablehnte, zeigte er mir sein Dokument als Ziegenzüchter, was mich aber auch nicht überzeugte. Schliesslich liess er mich enttäuscht wieder schlafen.
Der Regen am anderen Morgen war fein, aber dauerhaft. Trotzdem wollten wir nicht länger in diesem Haus bleiben und fuhren in die nächstgelegene kleine Stadt Ji Xian. Ab dort stieg die Strasse um 900 m an und führte über einige Berggipfel schliesslich weit hinunter an den gelben Fluss. Das Wetter war unterdessen wieder sonnig und im Tal war es drückend heiss. Ich hatte ziemliche Bauchprobleme, weshalb wir beschlossen, hier bei der Brücke über den Huang Ho zu übernachten.
In der Nähe liegt ein sehenswerter Wasserfall, wo die mit Löss gesättigten Wassermassen des Huang Ho in die Tiefe stürzen. Anschliessen radelten wir weiter Richtung Westen, ein ziemlich steiles Seitental des gelben Flusses hoch, während ich immer noch Bauchschmerzen hatte. Weitere 80 km nervenaufreibende Baustelle erwartete uns bis Chafang, einer Stadt an einer Strassenkreuzung, wo wir einen Ruhetag einlegten. Hier war das Gehupe der Lastwagen fast nicht zum aushalten. Es gab nichts zu sehen, also blieb der Fernseher.
In China sieht man keine ausländischen Programme. Auf den meisten Sendern kommt seichte Unterhaltung, auf manchen Nachrichten. Im Internet erfuhren wir, dass Albright die Menschenrechtslage in China kritisierte. Der englischsprachige Sender in China sagte dazu, dass Frau Albright sehr zufrieden mit den Menschenrechten in China sei.
Am anderen Morgen klopfte es an der Türe unseres Zimmers und ein pensionierter Velofahrer aus Amerika namens Dale Myers stand zu unserer Überraschung da. Alleine durchquerte er ganz China. Es war dies die einzige Begegnung mit einem anderen ausländischen Velofahrer.
Alle Biskuits, die wir als Proviant jeweils kauften, stellten sich als geschmacklicher Flop heraus. Das einzig halbwegs geniessbare für unterwegs war ein süsser, weisslicher Saft, den die Chinesen für Milch halten.
Durch Dale Myers wussten wir, welche Strasse wir Richtung Lanzhou erwarten durften. Wiederholt ging die Strecke ein Tal hoch, durch einen Scheiteltunnel und wieder hinunter. Beim Abendessen belästigten uns zwei betrunkene Chinesen. Typisch für China ist, dass in solchen Situationen niemand eingreift. Kritisiert zu werden würde einem Gesichtsverlust gleichkommen, also wird nur etwas peinlich gelächelt. Die Hotels in dieser trockenen Gegend sind sehr einfach, meist gibt es kein fliessend Wasser. Die Toilette, etwas weg vom Haus, sieht oft aus wie im Gruselfilm, Toilettenpapier oder Wasser sind nicht vorhanden und es riecht nicht gut.
Die Gegend ist sehr hügelig und die Strecke bis Lanzhou zog sich enorm in die Länge. Ein Tag gliche dem anderen. In den kleinen Ortschaften tischte man uns meistens einen Nudeltopf auf, wobei wir jeweils von zahlreichen Schaulustigen umringt wurden. Reis wird in dieser Gegend kaum gegessen. Obwohl die Orte sehr klein sind, fanden wir immer ein einfaches Zimmer und mussten unser Zelt hier nie brauchen.
Je weiter westlich man reist, desto mehr Moslems trifft man in der Bevölkerung. Oft assen wir in muslimischen Restaurants, wo es gutes Brot gibt. Auf der Strasse 309 ging es tagelang weiter nach Westen. An manchen Stellen war auf der Strasse Getreide ausgelegt. Der darüberrollende Verkehr drescht das Korn. Manche Männer waren am Abend jeweils betrunken und unglaublich aufdringlich. Einmal mussten wir sie ziemlich Grob aus dem Zimmer bugsieren.
Bienenplage
Als wir einen der endlosen Pässe überquert hatten, und ins Tal hinuntersausten, bemerkten wir immer mehr Bienen in der Luft, einige kollidierten mit uns. Nach kurzer Zeit stellten wir fest, dass die Bienen uns verfolgten. Rasch zogen wir die farbigen Helme ab, in der Meinung, die Bienen werden dadurch angezogen. Unterdessen wimmelte es von Bienen. Bald merkten wir aber mit grossem Schreck, dass die Bienen scharenweise wie wild auf unseren Kopf losgingen und sich in den Haaren verfingen. Voller Panik versuchten wir den Bienen zu entkommen, vergeblich. Es half nur, so rasch als möglich Den Körper mit der Regenjacke zu schützen. Auch atmen war nur noch mit Atemschutz möglich, um keine Bienen einzuatmen. Glücklicherweise wurde ich erst von einer Biene am Rücken gestochen. Diese Bienen waren wild und offenbar viel aggressiver als ihre domestizierten Artgenossen. Erst nach längerer Strecke normalisierte sich die unnatürlich hohe Bienendichte wieder. Um nicht noch einmal so etwas zu erleben, verliessen wir die 309 und reisten etwas südlich auf der flacheren Hauptstrasse weiter. Dies war vermutlich unser gefährlichstes Erlebnis in China.
Ankunft in Lanzhou
Die Hauptstrasse war von bester Qualität und wenig befahren. In der Gegend wurden überall herrliche Melonen zum Kauf angeboten. Ohne es zu merken, waren wir plötzlich mitten auf einer noch nicht eröffneten Autobahn, die weitgehend unbefahren war. So kamen wir überraschend schnell vorwärts, durchquerten lange, unbeleuchtete Tunnels und verliessen die Autobahn nur noch einmal, um zu übernachten. Erst in Lanzhou endete unsere ungewöhnliche Fahrt auf feinster Strasse. Nach weniger als vier Wochen hatten wir schon 2100 km Velostrecke zurückgelegt.
Die riesige Stadt bietet wenig besonderes, aber ist doch recht angenehm. Wir waren froh, einmal in Ruhe gelassen zu werden. Ausserdem gibt es in der Stadt gute Restaurants und auch eine Imitation vom McDonalds. Hier erholten wir uns zwei Tage von den Strapazen der letzten Wochen in angenehmen Grünanlagen der Stadt. Eine Seilbahn führt auf den nahegelegenen Berg, von wo aus wir eine schöne Sicht auf die Millionenstadt hatten. Da wir viel Gebirge und wenig Besiedlung in den nächsten Wochen erwarteten, kauften wir eine rechte Menge an Vorräten ein. Natürlich genossen wir wieder den Zugang zum Internet. In den meisten dieser Interneträume werden fast ausschliesslich Computerspiele gemacht. Meist sind es Buben, manchmal schon kleine, die primitivste Schiessspiele mit unvorstellbarem Krach machen, was für uns manchmal eine ziemliche Nervenprobe war.