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Reisebericht Teil 2

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Reisebericht Velotour China

Teil 2: Von Lanzhou durch das tibetische Plateau nach Süden


Aufstieg in höhere Lagen

Bei angenehm kühlen 28°C verliessen wir Lanzhou Tibetplateau. Die Stadt hat in Richtung West eine Ausdehnung von fast 30 Km und wir mussten sehr konzentriert fahren, um den unachstamen anderen Verkehrsteilnehmern auszuweichen. Nach einer Überquerung des Gelben Flusses begann die Strasse anzusteigen. Weil wir die Passhöhe unterschätzten waren wir nach dem Durchqueren des 2200 m hoch gelegenen Scheiteltunnels ziemlich erschöpft. Die Abfahrt war keine Freude, da der Belag durch eine Baustelle auf der ganzen Länge fehlte.

Am anderen Tag wollten wir Buddhafiguren an einem Stausee besichtigen. Die Bootsstation lag hinter einem kleineren Pass. Für die Fahrt wollten die Fahrer den Fantasiepreis von 450 Y, obwohl das Schiff schon voll war. Schliesslich einigten wir uns auf 150 Y. Da es aber ohnehin zu regnen begann und das Boot überfüllt war, verzichteten wir auf Buddha und wollten mit der Fähre ans ander Ufer gelangen. Um von der anderen Seite nach Linxia zu gelangen hätten wir aber einen hohen Pass überqueren mussen, was uns beim Dauerregen nicht sinnvoll schien. Schliesslich mieteten wir ein Schiff, das uns für 230 Y in 2 1/2 Stunden nach Lianhua brachte von wo aus die Strasse viel flacher nach Linxia führt.

Etwas peinlich war die Begegnung mit einem Betrukenen im ortsbesten Hotel. Er pöbelte uns ziemlich grob an und liess nicht mehr von uns ab. Nachdem wir ihn endlich abgewimmelt hatten und die Gäste peinlich berührt zu uns schauten, stellte sich heraus, dass er der Besitzer des Lokals war.

Auch am folgenden Tag war das Wetter regnerisch und so machte der Aufstieg auf das Tibetplateau nur wenig Freude. Auch das musste noch sein: Bei strömenden Regen hatte ich einen platten Pneu. Dies war allerdings der erste nach bereits 2237 Km. Während wir anschliessend auf eine Wetterbesserung in einem Restaurant warteten, wurde uns ein teures Huhn, das wohl einige Flugstunden exra hatte aufgetischt. Am Nachmittag besserte das Wetter etwas, dafür hatte ich nur 35 Km später schon wieder einen Platten, dieses Mal am Vorderrad. Unser Nachtlager war ein ziemlich hässlicher Bau kurz vor der Abzweigung nach Labrang. Das Kopfkissen war, wie viele in China, mit einer Art Kies (Aprikosensteine?) gefüllt. Solche Kissen nannten wir in Anlehnung an den von Brueder Chlaus als Kissen verwendeten Stein "Bruederchlauskissen".

Auf dem tibetischen Hochplateau

Leider war durch den anhaltenden Regen die nicht asphaltierte Strasse nach Labrang (=Xiahe) für unsere Velos nicht befahrbar. Deswegen verpassten wir leider eines der angeblich schönsten tibetischen Klöster der Welt. Nach einem Pass (3050 m) erreichten wir auf guter Strasse die Kleinstadt Hezuo. Dort ist ebenfalls ein schöner aber kleinerer Tempel zu sehnen. Um Gewicht zu reduzieren schickten wir die nicht mehr benötigten Bücher und Karten nach Hause. Dabei half uns ein junger Chinese, der die Gelegenheit reichlich nutzte, sein recht gutes Englisch mit uns zu üben. Es kommt in ländlichen Regionen nur selten vor, dass jemand vernünftiges Englisch spricht.

Als wir am anderen Morgen die Ortschaft verliessen, schien endlich wieder die Sonne und wir konnten die schönen Blumenwiesen geniessen. Unterwegs besuchten wir einen kleinen tibetischen Ort. Die tibetischen Kinder sind weniger distanziert, was manchmal zu kleinen Problemen führte. Die Kinder rannten uns nach und zerrten am Gepäck, was uns aus dem Gleichgewicht brachte und etwas nervte. Die sanften Hügel und Berge sind mit Gras bewachsen. Im Sommer grasen hier zahllose Yaks zwischen dunklen Nomadenzelten, die von furchterregenden Hirtenhunden bewacht werden. Da viele von den Jurten zu nahe an der Strasse stehen, verfolgten uns die Hunde, manchmal sogar im Rudel. Obwohl die Tibeter uns bestätigten, dass die Hunde beissen, wurden diese nie zurückgepfiffen und waren auch selten angebunden. Um unsre Sicherheit zu erhöhen, stellten wir das Zelt erst im Schutz der Dunkelheit auf.

Bei Tagesanbruch wurden wir aber gesehen und so öffnete sich, als wir noch im Schlafsack waren, der Reissverschluss unseres Zeltes und ein Nomade mit grossem Messer kam zu uns hinein. Ungefragt begann er in unseren Sachen nach Essbarem zu suchen. Erstaunt stellte er fest, dass wir unser Frühstück lieber selber essen wollten. Die Landschaft hier ist herrlich, aber das Wetter war wieder durchzogen. Weitere Probleme ergaben sich auch durch einen erneuten Platten bei meinem Velo, Gegenwind, schlechter werdende Strasse, weitere Hundeatacken und Schwärme von Bienen, die aber immerhin nicht angriffen. Etwas entmutigt überlegten wir uns Strategien zur Lösung des Hundeproblems, das uns beinahe zum Aufgeben zwang.

Langmusi, die Oase des Friedens

Am 10. August erreichten wir die angenehme Ortschaft Langmusi bei strömendem Regen. Der kleine Ort ist am Fuss von felsigen Bergen gelegen. Hier findet man unzählige schöne buddhistische Klöster und Tempel aber auch eine muslimische Moschee. Seit langem war dies der einzige Ort, wo wir gerne länger blieben. Dies haben auch andere westliche Touristen gemerkt und wir genossen es, wieder einmal Englisch und Deutsch zu sprechen. Ein Österreicher kochte sogar Knödel für einen ganzen Trupp Österreicher und uns. Am späten Abend fiel plötzlich der Strom im Ort aus und es war wirklich stock dunkel. Hannes fand unser Hotel nur noch mit grossem Glück.

Die vielen Schläge hatten auch meiner Fahrradtasche zugesetzt. Ein freunlicher Näher repariert sie mir. Es war jetzt auch genug Zeit, kleinere Reparaturen am Velo zu machen. Sogar gegen die Hundeatacken fanden wir eine vielversprechende Lösung: Grosse Schirme sollten uns vor Wadenbissen schützen. Wir kauften vier Schirme und schweissten die Griffe mit unserem Benzinkocher zusammen und befestigten diese unter dem Velosattel, so dass die Schirme uns gegen die Seiten schützten. Es stellte sich heraus, dass diese Konstruktion besser als erwartet war. Die Hunde sahen jetzt nicht mehr, wo sie hinbeissen mussten, blieben aber durch unsere aufgeplusterte Erscheinung meist nur noch verdutzt sitzten.

Von Langmusi nach Songpan

Zum letzten Mal genossen wir ein westliches Frühstück im Leshan's Cafe, um dann auf holpriger Naturstrasse nach Zoige zu fahren. Die Hundeschirme brauchten wir an diesem Tag oft, da in der wunderbaren Landschaft zahlreiche Jurten den Weg säumten. In einer solchen fanden wir Unterschlupf, als ein Gewitter über uns hinwegzog. Dort genossen wir frischen Yakjoghurt. Einige Pässe entlang der Kiesstrasse gingen bis 3800 m hoch und wir erreichten Zoige nach 90 km total erschöpft und erst beim Einbruch der Dunkelheit.

Hier kauften wir für die nächsten zwei Tage essen ein, weil die nächste Ortschaft 142 Km weiter liegt. Wieder durchquerten wir schönes Grasland mit Jurten, Jaks und Hunden. Die Hunde bissen einen Reiter, der neben uns ritt in den Fuss, uns mieden sie aber. Das tägliche Gewitter brachte eine empfindliche Abkühlung mit sich, die Gegend liegt hier auf beinahe 4000 Metern. Die Tibeter hier sind sehr gastfreundlich. Ein Nomade zog Hannes mit seinem Pferd den Berg hoch. Von einer Nomadenfamilie wurden wir sogar zum Abendessen in ihrem Zelt und zur Übernachtung eingeladen. Das passierte uns bisher in ganz China nie.

Am Morgen lag ein Rauhrief auf dem Zelt, aber die Sonne schien. Zum Frühstück gab's Zampa, Tee mit dunklem Mehl, Butter und Zucker, obwohl etwas gewöhnungsbedürftig, eigenlich sehr gut. Danach führte die Holperstrasse lange ein flaches Tal hoch, bis wir endlich den Pass auf fast 4000 Metern erreichten. Ab hier führt die Strasse vom Tibetplateau hinunter bis zum roten Becken, das auf wenigen hundert Metern liegt. Die Landschaft am Gebirgsabhang verändert sich schlagartig. Nadelbäume und spitzige Gipfel prägen hier das Bild, fast wie in der Schweiz. Endlich erreichten wir bei Zhangla, wenige Km nördlich von Songpan, die befestigte Strasse. Dafür wimmelte es hier von chinesischen Touristen, welche die nahegelegenen Nationalparks besuchten.

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Wunderbare Nationalparks

Von hier aus sind zwei der schönsten Nationalparks zu erreichen. Mit einem Taxi besuchten wir zuerst den Huanglong, wo atemberaubende Sintherterrassen zu sehen sind. Einige Touristen liessen sich wegen der grossen Höhe von 3500 m auf Sänften zu den Pools tragen, andere führten Sauerstoffkissen mit sich, was uns etwas zum lachen brachte. Diese Sehenswürdigkeit fanden wir trotz dem Gewimmel von Touristen etwas vom schönsten, was es auf der Welt zu sehen gibt.

Den noch berühmteren Jiuzhaigu-Nationalpark besuchten wir am folgenden Tag ebenfalls mit dem Taxi. In ihm sind verschiedene farbenprächtige Seen zu bewundern. Dazwischen kann man auf Holzpfaden durch Wälder wandern. Die 235 Y p. P. fanden wir allerdings verhältnislos. Störend fanden wir auch die zahllosen Busse, die sich im Park offenbar ein Rennen liefern und die Touristen zu den bekannten "Knipspunkten" verfrachten. Trotzdem fanden wir den Park lohnenswert, man sollte sich hier aber zwei Tage Zeit nehmen, um dem Rummel zu entkommen.



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