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Reiseprotokoll China Teil 4:
Von Lijang nach Kunming
Die schönen Städte Lijiang und Dali
Lijiang war DIE positive Überraschung auf unserer Veloreise. Das angenehme, ruhige Städtchen ist ein Paradies für Fotografen, weshalb wir stundenlang durch den Ort streiften, um nach den schönsten Motiven zu suchen. Ohne Probleme kamen wir in einem der zahlreichen Gasthäuser, im Prague Cafe, unter. Die Ortschaft zieht viele, zumeist chinesische Touristen, aber auch Europäer an. Wir assen viel und gut und unterhielten uns mit Menschen, welche uns endlich wieder mal verstanden. Eine besonders lustige Begegnung hatten wir mit einem pensionierten Lehrer aus dem Ort. Mit seinen 83 Jahren war er etwas vergesslich und fragte immer wieder die selben Dinge.
Nach zwei Tagen verliessen wir den Ort Richtung Süd auf einer guten und geraden Strasse, weshalb wir endlich wieder gut voran kamen. Malerische Orte tauchten zwischen den Reisfeldern auf, ein Mann, zur Minderheit der Naxis gehörend, lud uns zum Tee ein. Am Abend stellten wir mangels Hotel auf einem Berg ungesehen unser Zelt auf.
Am andern Tag erreichten wir auf perfekter Strasse die ehemalige Kaiserstadt Dali. Unterwegs dahin trafen wir eine Gruppe der Bai-Minderheit, welche sich auf ein Fest vorbereiteten. Dazu gehörte vor allem Kartoffelschälen und Schweineschlachten.
Bei 4195 Km hatte Hannes seinen ersten Platten (Michael hatte bereits 5), merkwürdigerweise steckten gerade zwei verschiedene Nägel in seinem Pneu, weshalb sich das Flicken wenigstens lohnte.
In einem gemütlichen Guesthouse in Dali liessen wir uns nieder und besichtigten die ebenfalls sehenswerte Stadt und ihre intakten, etwas überrenovierten Mauern. Wie in Lijiang gibt es hier zahlreiche Touristenläden. Hier tauschten wir unseren mitgeführten Myanmar-Reiseführer gegen einen Lonely Planet über Vietnam ein, wo wir anstelle hinreisen wollten.
Als wir uns zum nahegelegenen 3-Pagoden-Tempel aufmachen wollten, hatte Hannes bereits wieder einen Platten (jetzt 2:5). Da der Ort touristisch ist, mussten wir einen überteuerten Eintritt bezahlen. Die freie Zeit im Hotel nutzten wir zum Bücherlesen und am Velo herumwerkeln. Nach einem grossen Steak, Hannes hatte Hunger für drei, durfte das Wang Ba (Internetcafe) nicht fehlen.
Weiterreise nach Kunming
Auf der Weiterfahrt nach Süden, entlang einem See, waren die Strassen wieder von minderer Qualität. Nach der Durchquerung der gleichnamigen aber nicht sehenswerten Stadt Dali (Xiagua) kamen wir nach einem Pass in eine Landwirtschaftsebene hinunter wo gerade Reisernte war. Nach wenig ereignisreichem Tag fanden wir in Xiazhouang ein einfaches und ungemütliches Gasthaus, wenigstens aber mit warmer Dusche, für 20 Yuan.
Mitten in der Nacht traf dann eine Gruppe rüppelhafter Chinesen ein, die das TV auf voller Lautstärke laufen liessen, Türen zuschlugen und herumbrüllten, was uns natürlich nicht gut schlafen liess.
Die Weiterfahrt war wegen den vielen Hügeln, der schlechten Strasse und wegen dem Gegenwind nicht sehr angenehm, die LKWs in der Gegend produzierten unglaublich viel Russ. Auf der Abfahrt nach einem Pass (2400 m) brach mein Gepäckträger ab und musste repariert werden. Einem unglaublich geschickten Chinesen gelang dies mit einem gekrümmten Nagel und einem Stück altem Pneu. Die Landschaft wurde nun interessanter und die Strasse besser, bis wir abends die angenehme Kleinstadt Nanhua erreichten, wo sich eine beispiellose Anzahl Vögel auf den Drähten versammelten. Das Nachtessen war absolute Spitzenklasse.
Nach einem Gewitter wollte es am nächtens Tag nicht aufhören zu regnen, bis wir um 15 Uhr endlich aufbrechen konnten. Aus irgend einem Grund war die Strasse auf der ganzen Strecke mit Glasscherben übersäht. 38 Km später kamen wir in einem sehr schönen und günstigen Hotel in Chuxiong an, wo auch das Essen, wie so oft in China, hervorragend war.
Die Hauptstrasse verzweigte sich nun in zwei Teile, einen alten und einen neuen. Zuerst probierten wir die alte Strasse, welche aber sehr holprig war, weshalb wir auf die neue Autostrasse wechselten, was natürlich für Velos nicht gestattet wäre. Die vielen passierenden Polizeiautos behelligten uns aber nicht, erst eine Radarkontrolle stoppte uns, und wies uns freundlich darauf hin, die Strasse bei nächster Gelegenheit zu verlassen, was aber erst nach weiteren 40 Km der Fall war. Unterwegs holte Hannes mit einem weiteren Nagel im Pneu allmählich auf (jetzt 3:5).
Am 74 Reisetag erreichten wir die Grossstadt Kunming. Je näher wir der Stadt kamen, desto mehr nahm der Verkehr zu, dafür aber hatte es einen Radstreifen. In der Stadt gehen wir umgehend zum vietnamesischen Konsulat um für teure 430 Yuan ein 15-Tage Visum zu erhalten. Seit Peking spiesen wir zum ersten Mal wieder in einem Mac Donalds und genossen dies, erstaunlich genug. Im Thai Airways Büro mussten wir zuerst mit kompliziertem Verfahren Geld wechseln, um dann ein teures Flugticket von Hanoi nach Bangkok zu kaufen. In der Stadt gab es auch einen englischsprachigen Bücherladen wo wir zwei Romane kauften. Beim Besuch einer schönen Pagode in der Stadt trafen wir einen pensionierten Englischlehrer, der von Michael wissen wollte, ob er auch schon pensioniert wäre, was vielleicht ein Hinweis war, besser auszuschlafen.