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Reisebericht Teil 5

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Reiseprotokoll China Teil 5
Von Kunming nach Hanoi

Zur chinesischen Grenze
Nach verlassen der Stadt gegen Süden nahm der Verkehr und Lärm nur langsam ab. Bei einem Schlagloch fing Michael seinen 6. Platten ein. Das eigentlich landschaftlich schöne Gebiet um den Fuxian See war durch Industrie völlig verschandelt. Die riesigen neugebauten Strassen schienen uns überdimensioniert. Die neue Strasse wurde skrupellos in die Landschaft gefräst. Am nächsten Abend erreichten wir die angenehme Kleinstadt Jianshui. Dort gibt es einen sehenswerten Konfuziustempel, wo gerade eine Art Zeremonie stattfand.
Durch die vielen kleinen Hügel in der Gegend summierten sich die Höhenmeter. Dann überquerten wir den nördlichen Wendekreis, erreichten also tropisches Gebiet. Auch hier fanden wir sehr viel Umweltverschmutzung und eine rasch fortschreitende Zerstörung der Natur. Am Abend brauchten wir dann einige Überredungskünste, dass wir die Velos in unser schönes Hotelzimmer mitnehmen durften, wo Michael auch noch seinen 7. Platten repariert.
Nach dem Umbuchen vom Swiss-Flug ab Bankok, was zwei Stunden in Anspruch nahm, fuhren wir bei schlechtem Wetter gegen einen Pass hoch. Unterwegs kochten wir selber Nudeln, was auf der Reise eher die Ausnahme war. Es folgte eine schöne Abfahrt. Ein Chinese wies und darauf hin, dass die Strasse im weiteren Verlauf unpassierbar sei, weshalb wir mit Hilfe eines Red Bulls noch einen weiteren Pass meistern mussten. In Pingbian gab es ein Bärengehege, wo traurig schauende Bären auf engstem Raum gehalten wurden. Zum Frühstück gab es dann wie oft Sojamilch und ein in Fett gebackener Teigriemen für drei Yuan. Es folgte eine Abfahrt von einer Art Hochplateau um 1200 Meter hinunter bis fast auf Meereshöhe, wo die Temperatur schwülheiss war. Jetzt wuchsen überall Ananas, Bananen und Kautschukbäume. Dann erreichten wir den Grenzort Hetzou mit seinem belebten und grosszügigen Zentrum, den wir bedeutend weniger hässlich fanden, als im Lonely Planet von Vietnam beschrieben. Ein letztes Mal übernachten wir auf chinesischem Boden.

Einreise nach Vietnam
Der Grenzübertritt verlief erstaunlich reibungslos. Auf der anderen Seite wurde rasch klar, dass Vietnam wirtschaftlich weniger entwickelt als China ist. Die Vietnamesen in diesem Gebiet, vor allem junge Männer, empfanden wir als wesentlich respektloser gegenüber uns als die Chinesen. Einer griff mir ungefragt an die Brust, viele andere riefen uns in höhnischem Ton nach wie einem exotischen Tier. Frauen waren hingegen respektvoll. Ein weiterer junger Mann wollte beim Vorbeifahren mit seinem Fahrrad Hannes rammen, wobei er aber selber stürzte. Als ich am Flicken meines 8. Platten war, wurden wir plötzlich aus dem Gebüsch mit grossen Steinen beworfen. Die Menschen schienen hier gegenüber Westlern keine guten Gefühle zu hegen, wir vermuteten wegen des Vietnamkrieges.
Am nächsten Tag auf der schönen kleinen Strasse wieder seltsames Verhalten der Einheimischen. Einer schlug mit einer Rute beim Vorbeifahren auf Hannes ein. Am Abend fanden wir ein überraschend schönes Hotel mit Swimmingpool, wo sich Martin, ein Amerikaner sonnte, der noch einmal an den Ort zurückkehren wollte, wo er früher einmal gekämpft hatte. Er erzählte uns, wie sie keinem Vietnamesen trauen konnten, weil auch unter den Südvietnamesen viele nördliche Spione waren.
Mit einigen Ratschlägen vom Kriegsveteran machten wir uns wieder auf den Weg, auf dem der Verkehr immer mehr zunahm. In Vietnam ist der Verkehr für Velos gefährlicher als in China, etwa wie sonst in Südostasien. Dann konnten wir in eine wenig befahrene Strasse abbiegen, wo Reisstroh und Körner am Strassenrand zum Trocknen ausgelegt waren. Wir hatten einige Probleme ein Hotel in der Gegend zu finden, aber das Sonderbare dabei war, dass die Vietnamesen bei unseren Problemen immer lachten, was wir etwas unheimlich fanden. Schliesslich fanden wir ein sehr schönes Holzhaus, wo wir auf dem Boden schliefen.
Nach einer lärmigen und (temperaturmässig) heissen Nacht machten wir uns auf Richtung Hanoi. Wir fanden entlang dem Roten Fluss einen schönen kleinen weg, der uns bis kurz vor Hanoi durch ländliche Gebiete führte. Teilweise haben wir mit dem Velo keine Rast machen können, weil dann der Fahrtwind fehlte und es noch heisser wurde. Das einfache Hotel in Hanoi hatte dann eine dringend benötigte Klimaanlage.

Hanoi
In der Stadt gibt es einen schönen kleinen See mit Insel, den Hoan Kiem-See. Die Altstadt hat viele Gassen, wobei in jeder eine typische Art von Produkten verkauft wird, wie etwa Schuhe, Blechwaren oder Grabsteine. Ein Frisör schnitt uns zum ersten Mal auf dieser Reise die Haare. Mit einem Cyclo, einer Art Rischka wo man aber vorne sitzt, liessen wir uns zum Literaturtempel fahren. Der Fahrer wollte uns betrügen, wurde dabei aber von einem anderen Fahrer sehr heftig zurechtgewiesen, worüber wir nicht schlecht staunten. In China wäre wohl keine solche Hilfe zu erwarten. Am Abend freuten wir uns über eine schöne Aufführung des Wasserpuppentheaters. Anderntags besuchten wir eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt, die Einsäulenpagode, welche allerdings ein Nachbau der echten ist, welche zerstört wurde. Ganz in der Nähe liegt auch das klotzige Ho Chi Minh Museum und Mausoleum, wo dieser wie ein Gott verherrlicht wird. Am Abend dann eine köstliche Pizza in einem Italiener, was man wohl in China selten finden würde.
Die Weiterfahrt bei schwüler Hitze Richtung Haiphong führte entlang einer Autobahn, die aber einen Velostreifen hatte. Auch hier riefen, klatschten oder pfiffen uns die jungen Männer wieder nach. Unser Kreislauf geriet durch die extreme Hitze an den Rand der Belastbarkeit, was wir mit Red Bull zu kompensieren versuchten. Im Ort übernachteten wir in einem lausigen Hotel mit lärmender Klimaanlage.

Die Insel Catba
Im Hafen gab es viele Schlepper, welche uns ein Ticket in einem der Schnellboote zur Insel Catba verkaufen wollten. Das Boot war pünktlich und erreichte nach einer Stunde die Insel. Beim Abladen wurden wir sofort wieder von Schleppern bestürmt, welche uns ein Hotel vermitteln wollten. Wir liessen uns zu einem schönen Hotel bringen, wo wir uns in ein grosses Zimmer mit herrlicher Sicht auf den Hafen und die Bucht einquartierten.
Den folgenden Tag verbrachten wir an einem schönen Strand. Catba war zwar schön, wir wurden aber dafür ständig von schwer abzuwimmelnden Touren- und Postkartenverkäufern angesprochen.
Anderntags machten wir einen Ausflug per Boot zusammen mit vier weiteren Touristen zu den zahlreichen kleinen Inseln. In der Nähe einer Perlenzucht machten wir mitten im Wasser einen Badehalt. Bei der „Monkey Island“ bestiegen wir eine Anhöhe, was sich als nicht ungefährlich herausstellte, da die Karstfelsen wie Messer in die Höhe ragten. Die zwei weiteren Tage verbrachten wir am Strand und spiesen in mässigen Restaurants. Im Vergleich zu China hat man hier nur die Wahl zwischen schlechten und noch schlechteren Kneipen.
Auf der Insel gibt es einen schönen Nationalpark mit Regenwald, durch den wir mit einer organisierten Tour gehen wollten. Ohne Informationen ging die Gruppe auf den Weg, unwissend, dass erst am Nachmittag wieder Getränke erhältlich waren. Deshalb ging es einigen Leuten nicht mehr gut, viele begingen den glitschigen Weg mit Sandalen und führten kaum Wasser mit. Wir trafen viele nette Leute und tauschten mit einigen die Adressen aus, unter anderem mit einem Polizistenpaar aus Deutschland.
Am Strand wurde Michael von einem in Barcelona lebenden Amerikaner angesprochen, der sich sehr enttäuscht zeigte, als er merkte, dass wir zwei Brüder sind. Er rechnete sich wohl eine Gelegenheit aus.
Heimreise
Am frühen Morgen bestiegen wir dann die Fähre zurück nach Haiphong, welche diesmal zweieinhalb Stunden benötigte. In der Stadt verpassten wir wohl knapp den Zug nach Hanoi, weshalb wir nach einigem Feilschen den Bus nahmen. Dieser bewältigte die Strecke durch seinen waghalsigen Fahrstil in zwei Stunden, wobei beinahe ein Fussgänger überfahren wurde.
In Hanoi entschlossen wir nach einigem Suchen doch wieder ins selbe, mässig schöne Hotel zu gehen, wo wir schon vor einigen Tagen waren. Vor der Heimreise kauften wir noch einige Souvenirs und besuchten ein letztes Mal ein Internetcafe.
Die Nacht war unerfreulich, da Stiche von Sandfliegen unerträglich juckten, welche uns zwei Tage zuvor am Strand gestochen hatten. Vor der Abreise warfen wir alles nicht mehr benötigte weg und packten für den Flug. Die Strasse zum Flughafen war schmal und extrem befahren, das ewige Hupen war kaum zu ertragen. Es war wohl die gefährlichste Strecke auf der ganzen Tour! Im ganzen legten wir 5600 Kilometer zurück und brachten 42000 Höhenmeter hinter uns.
Die Heimreise via Bangkok funktionierte mehr oder weniger reibungsfrei, bloss die Werkzeuge im Handgepäck lösten einiges Misstrauen beim Flughafenpersonal aus. Nach 96 Tagen erreichten wir wieder die Schweiz.



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